Auszeiten vom Trading
Strategien & Wissen

Wie wichtig sind Auszeiten vom Trading?

In diesem Artikel soll dargelegt werden, warum es nicht nur sinnvoll, sondern absolut notwendig ist, dass Sie auch zeitweise einen gesunden Abstand zum Trading und zum Börsengeschehen gewinnen, und sich mit anderen Sachen beschäftigen. Dies ist nicht nur ausgesprochen wichtig für Ihre geistige Konstitution, sondern trägt auch Ihren Tradingergebnissen insgesamt Rechnung. Denn nur mit der nötigen Distanz können Sie Ihre eigenen Entscheidungen immer wieder überprüfen und sich stetig verbessern.

 

Die Börse – rund um die Uhr passiert etwas

Trader im StressLeider ist es noch immer ein weit verbreiteter Irrglaube, dass der stereotypische Börsenhändler ein hektischer, aufgeregter Mensch ist, der sich nur wenig auf seine Umwelt konzentrieren kann, da seine Gedanken rund um die Uhr um Handelszeiten, Gewinnspannen und seine laufenden Positionen kreisen. Permanent muss er alle Märkte der Welt im Blick haben, ständig sein Smartphone zum Handeln benutzen, telefonieren, ist immer in Bewegung – denn damit verdient er ja schließlich Unsummen an Geld. Diesem Irrglauben erliegen jedoch auch viele derer, die mit dem Börsenhandel anfangen möchten. Hier zeigt sich bereits das eigentliche Problem: Wer vom Börsenhandel per se ein falsches Bild hat, wird bereits von Anfang an Schwierigkeiten haben, von Grund auf den richtigen Umgang mit der Börse zu lernen.

Wer sich bereits ein wenig mit ernsthaftem Trading beschäftigt hat, der weiß, dass es nicht lange dauert, bis man sich eingestehen muss, nicht alle Marktbewegungen und auch nicht alle Märkte im Blick haben zu können. Das ist auch nicht weiter schlimm, es ist nur natürlich. Doch derjenige, der sich vorgenommen hat, jedes Peak, jedes Valley, jede Range zu traden, fühlt sich schnell, als hätte er versagt.

Doch lassen Sie sich eines gesagt sein: Das oben beschriebene Bild des hektischen Allrounders, der die halbe Börsenwelt auswendig kennt und im Sekundentakt millionenschwere Entscheidungen trifft, ist ebenso falsch wie die allgemeine Auffassung vom Börsenhandel selbst – eine überspitzte und realitätsfremde Darstellung aus Filmen und eine reine Phantasie. Durchaus gibt es zwar Profis, die den Großteil ihres Tages mit Entscheidungen über Börsengeschäfte verbringen. Aber Sie können sich sicher sein, dass diese Entscheidungen nicht eben hektisch am Smartphone zwischen Tür und Angel getroffen werden, sondern wohl überlegt und ausgefeilt sind.

Wer in permanent hektischer Furore lebt und sich keine Ruhe gönnt, wird zwar irgendwann mit ziemlicher Sicherheit verrückt, aber definitiv nicht reich oder wohlhabend. Nehmen Sie sich das zuerst zu Herzen.

Da das Problem der übermäßigen Beschäftigung und des übermäßig betriebenen Handels kein Einzelfall ist und insbesondere eher unerfahrene Trader oft noch nicht die erforderliche Gelassenheit besitzen, eine Zeitlang inaktiv zu bleiben, hat sich der Begriff „overtrading“ herausgebildet. Er beschreibt den regelrechten Zwang, Positionen zu handeln, ob sie sinnvoll sind oder nicht. Warum das übertriebene Trading aus psychologischer und ebenso aus markttechnischer Sicht kontraproduktiv ist, werden Sie hier erfahren.

 

Auszeiten vom Trading aus psychologischer Sicht

Um ernsthaft darüber zu diskutieren, wie viel Auszeit vom Trading wichtig ist, muss zuerst die Frage betrachtet werden, wie und weshalb überhaupt das Thema Trading im Tagesablauf integriert ist. Ist es ein reines Hobby zum Zeitvertreib, ohne wirkliche und langfristige Gewinnerzielungsabsicht? Also eine Art Spiel? Oder geht es eher in die Richtung eines ernstzunehmenden Nebenjobs, vielleicht sogar mit Kurs in Richtung späterer Hauptjob, von dem Sie vielleicht sogar eine Familie ernähren müssen?

Legen Sie bereits früh fest, was Trading für Sie eigentlich bedeutet. Nur dann können Sie richtig entscheiden, wie viel davon eigentlich gut für Sie ist.

Wie mit jedem Hobby sollten Sie es auch hier nicht übertreiben. Es gibt natürlich keine Zeitregel, das kommt auf den Einzelfall an und wie Ihr sonstiger Tagesablauf aussieht. Die Faustregel ist: So viel, dass es Ihnen noch Spaß macht, ohne jedoch zu einem Zwang zu werden und ohne, dass andere Aktivitäten darunter leiden. Wenn Sie merken, dass Sie sich nur noch für die Börse interessieren und kaum noch Augen oder Ohren für Partner, Freunde oder Familie haben, dann sollten Sie Ihr Pensum definitiv auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls reduzieren.

Wenn Sie mit Wertpapieren handeln, um daraus konstant Gewinne zu erzielen, mit welchen Sie auf Dauer anfallende Unkosten bestreiten wollen, ist es wichtig, dass Sie das Trading wie einen Job betrachten. Dies betrifft jedoch nicht nur die notwendige Ernsthaftigkeit und die Disziplin, sondern genauso auch die Arbeits- und Ruhezeiten, die Sie einhalten sollten. Auch, wenn ein Job nicht immer Spaß macht, sollte es im Sinne der langfristigen Zufriedenheit zumindest eine Art Erfüllung sein. Und um diese zu erreichen, müssen Sie sich, genau wie von jedem anderen Job, Ruhezeiten gönnen und mit den Gedanken die Börse verlassen. Nur, wenn Sie sich ausreichend freie Zeit gönnen, können Sie auch auf Dauer mit Spaß und Zufriedenheit handeln und das Trading auch nach und nach professionalisieren, um letztendlich davon leben zu können. Selbstverständlich sind in der Anfangszeit auch Aus- und Weiterbildung sehr wichtig, doch auch hier gilt: Übertreiben Sie es nicht.

Leider sind der anfängliche Übereifer und die große Begeisterung systemimmanent. Wenn Sie bereits Ihre ersten Erfahrungen mit dem Trading gemacht haben, werden Sie sich an das Gefühl der ersten erfolgreich verlaufenen Trades gern zurückerinnern. Es fühlt sich fast so an, als habe man eine neue Welt für sich entdeckt, eine Welt voller neuer Möglichkeiten und unerschöpflicher Ideen. Genau hier erwächst die Gefahr, dass man es schnell übertreibt und den Bezug zur Realität verliert. Die Gedanken beschäftigen sich nur noch mit Kursen, Candlesticks und Chartformationen. Daraus kann sich schnell ein Handlungszwang entwickeln. Aus den Berichten vieler professioneller Trader geht hervor, dass diese anfangs zuerst eine Art „Sucht“ überwinden mussten, bevor sie den Börsenhandel wirklich professionalisieren konnten.

BurnoutEine unterschätzte Gefahr bergen zudem psychische Erkrankungen, die das übertriebene Trading zuweilen fördern kann. So wie bei jedem anderen Job, der übertriebenermaßen ausgeübt wird und zu viel abverlangt, besteht die Gefahr, an Krankheiten wie z.B. dem Burnout-Syndrom zu erkranken. Trader sind, wenn sie hauptberuflich den Börsenhandel betreiben, in der Regel Menschen, die enorm hohe Anforderungen an sich und ihr eigenes Leistungsprofil stellen. Grundsätzlich ist es auch nicht schlecht, sich selbst hohe Ziele zu setzen. Doch kann der Markt diese hohen Anforderungen oftmals nicht erfüllen. Es geht nicht jeder Trade im Gewinn auf, und zudem bietet sich auch nicht permanent eine gute Einstiegschance. Wer sich zu sehr an der Illusion festbeißt, immer und überall perfekt zu handeln, wird schnell frustriert und kann davon sogar krank werden.

 

Auszeiten vom Trading aus markttechnischer Sicht

Auch aus der rein objektiven Sichtweise des Marktes selbst macht es keinen Sinn, permanent aktiv sein zu wollen. Diese Fülle an guten Gelegenheiten gibt der Markt – oder besser: der überschaubare Anteil des Marktes – einfach nicht her. Zwar würde es rein theoretisch wahrscheinlich täglich tausende handelbare Setups geben, aber Sie können nicht tausende Märkte gleichzeitig im Blick haben und mit derselben Präzision behandeln. Sie werden sich früher oder später auf einige wenige Märkte beschränken, die Ihnen die passenden Voraussetzungen bieten.

Dies hat gleich mehrere Vorteile: Sie kennen die Kostenstruktur der Märkte, können Setups wesentlich besser abschätzen und haben die Wirtschaftsnachrichten derjenigen Märkte im Blick, die für Sie persönlich interessant sind. Die Aufmerksamkeit, die Sie den einzelnen Marktsegmenten schenken, wird somit höher und konzentrierter.

Damit ist auch bereits klar, wieso aus markttechnischer Sicht Auszeiten vom Trading durchaus sinnvoll sind. Nicht jeden Tag bewegt sich der Kurs eines Basiswertes gleich viel, manchmal dauert es sogar Wochen oder Monate, bis sich wieder ein Trend einstellt, nachdem lange Zeit ein eher undefinierbarer Seitwärtstrend geherrscht hat. In dieser Zeit lohnt es sich, weniger zu traden und die Zeit zum einen für Freizeitaktivitäten zu nutzen, und zum anderen für die persönliche Weiterbildung. Dies ermöglicht eine noch bessere Vorbereitung darauf, was nach dem Seitwärtsmarkt eventuell passiert. Abgesehen davon bringt Ihnen die bestmögliche Ausnutzung der freien Zeit auch mehr Gelassenheit für die Zeiten, wenn es an der Börse Schlag auf Schlag zugehen sollte und Sie tatsächlich einige Setups nacheinander herausfiltern und handeln können.

Eine zu hohe Tradingaktivität kostet zudem Gebühren, die Sie durch viel mehr erfolgreiche Einzeltrades wieder liquidieren müssen. Sie erhöhen rechnerisch Ihr Risiko gegenüber Ihrem Broker. Es muss Ihnen klar sein, dass der Broker an jedem Ihrer Trades mitverdient und Sie aus dieser Sichtweise gern motiviert, möglichst viel zu traden. Dass Sie dabei am Ende in den meisten Fällen der Verlierer sind, liegt auf der Hand.

 

Fazit

Aus beiden Sichtweisen, also der psychologischen und der markttechnischen Variante, lässt sich ableiten, dass eine zu hohe Tradingaktivität sich nachteilig auf Ihren Erfolg als Trader auswirkt. Sowohl diejenigen Trader, für die es nur ein Hobby ist, als auch diejenigen, die früher oder später professionell traden und davon ihren Lebensunterhalt bestreiten möchten, ist es ratsam, Auszeiten einzuhalten. Beim sogenannten „overtrading“ suchen Händler fortwährend nach Setups und erkennen angebliche Gelegenheiten, wo eigentlich keine sind. Dies führt zum einen dazu, dass viele eigentlich schlechte Setups gehandelt werden, hohe Gebühren an der Broker gezahlt werden und auch viel mehr Verlusttrades entstehen. Zum anderen führen diese Verluste und die Ungeduld schnell zu Frustration, welche auf Dauer sogar krank machen kann. Darüber hinaus ist die Konzentration auf einige ausgewählte Märkte und das Handeln von vorher festgelegten Ein- und Ausstiegskriterien wesentlich sinnvoller. Es sorgt dafür, dass für jeden Trade dieselben Maßstäbe angelegt werden und macht es leichter, den Tradingerfolg zu analysieren. Zudem kann auf diese Art eine feste Strategie lange benutzt und stetig verbessert werden.

 

Was hilft Ihnen als Trader also dabei, Auszeiten einzuhalten?

Betrachten Sie das Trading wie einen Job als Angestellter. Zwar sind Sie hier Ihr eigener Chef, aber Sie sollten sich durchaus frei nehmen und Zeit mit anderen Aktivitäten verbringen. Halten Sie sich an eine Strategie, die feste Ein- und Ausstiegszeitpunkte festlegt und halten Sie sich an die Handelszeiten Ihrer ausgewählten Basiswerte. Versuchen Sie nicht, alles zu handeln. Akzeptieren Sie, dass der Markt auch Ruhephasen hat. Diese Ruhephasen können Sie sinnvoll nutzen, um sich entweder zu entspannen, oder um sich weiterzubilden und auf den nächsten Trade noch besser vorzubereiten. Versuchen Sie, den Spaß am Trading beizubehalten, indem Sie sich einen Ausgleich zum stressigen Börsenalltag suchen.


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